Die Sprache von Cervantes, Borges und García Márquez — gesprochen auf zwei Hemisphären.
Erlernen Sie sie, wie man sie stets nah bei sich gehalten hat: schriftlich, per Brief.
“Una carta escrita en español es una conversación que el tiempo no apresura.” — Ein auf Spanisch geschriebener Brief ist ein Gespräch, das die Zeit nicht drängt.
Spanisch ist die zweitmeistgesprochene Muttersprache der Welt, mit rund 500 Millionen Muttersprachlern in mehr als zwanzig Ländern — und nahezu 600 Millionen Sprechern insgesamt. Es ist eine Amtssprache der Vereinten Nationen und nach dem Mandarin die Muttersprache von mehr Menschen als jede andere. Von Madrid bis Buenos Aires, von Lima bis Los Angeles ist es eine Sprache von außerordentlicher Reichweite und bemerkenswerter Einheit.
Das moderne Spanisch erwuchs aus dem Kastilischen des mittelalterlichen León und Kastilien, wurde im 16. Jahrhundert über einen Ozean getragen und überall bereichert, wo es ankam. Es ist die Sprache von Cervantes — dessen Don Quijote oft der erste moderne Roman genannt wird — des Siglo de Oro, von Sor Juana, Borges, Neruda und García Márquez, dessen Sätze dem 20. Jahrhundert eine seiner großen literarischen Stimmen gaben.
Spanisch belohnt den Schreibenden mit einem lebendigen Subjunktiv, einer Musik der Akzente und einer Genauigkeit des Gefühls, welche die gesprochene Sprache verwischen kann. Der Unterschied zwischen ser und estar, zwischen tú und usted, zwischen Indikativ und Subjunktiv ist der Unterschied zwischen einer Bedeutungsnuance und einer anderen. Auf dem Papier, mit Zeit zur Wahl, lernt man, diese Unterschiede zu fühlen, statt ihnen bloß zu folgen.
Die spanischsprachige Welt besitzt eine tiefe Brieftradition — von den Briefen der heiligen Teresa von Ávila, in einer Prosa von solcher Klarheit geschrieben, dass sie vier Jahrhunderte später ein Vorbild bleibt, bis zur Korrespondenz der Dichter und Verbannten über den Atlantik. Einen spanischen Brief zu schreiben heißt, sich einem Gespräch anzuschließen, das Ozeane und Jahrhunderte durchquert hat.
Wo das Englische den Konjunktiv fast verloren hat, gebraucht ihn das Spanische unablässig — nach Hoffnung, Zweifel, Wunsch und Gefühl. Ojalá llegara, aunque fuera tarde. In einem Brief begegnet man diesen Formen als Ausdruck echten Gefühls statt als Übung, und genau dort ergeben sie endlich Sinn.
Das Spanische hat zwei Verben für „sein“ — eines für das Wesen, eines für den Zustand — und zwischen ihnen zu wählen heißt, eine Weise des Sehens zu wählen. Schriftlich, mit einem Augenblick, den Satz abzuwägen, lernt man diese Unterscheidung als Gewohnheit des Denkens, nicht als Regel zum Aufsagen.
Ein einziger Akzent trennt él von el, sí von si, tú von tu. Die spanische Rechtschreibung ist bekanntlich regelmäßig, doch ihre Akzente leisten echte Arbeit — sie markieren die Betonung und oft die Bedeutung selbst. Ein Brief lehrt, sie mit Sorgfalt zu setzen, und diese Sorgfalt ist das Zeichen dessen, der die Sprache wirklich schreibt.
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